Von Währungsunion bis Brexit - Das Image der EU im Zeitverlauf

Autorin: Patricia Braun // Informationen zu den Analysen: https://osf.io/9r8nj/


Die EU als Quelle unzähliger Vorschriften und Gesetze, als Retter in der Not, als intransparentes Bürokratiemonster oder doch als Weg zu einem vereinten Europa? Nicht erst seitdem die Briten beschlossen haben Brüssel den Rücken zu kehren wird immer wieder die Frage laut: Was halten die Bürger von der Europäischen Union? Wird sie als hilfreich oder hinderlich wahrgenommen?

 

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werden im Folgenden vier Länder näher betrachtet, wobei besonderes Augenmerk auf Deutschland liegt: So stellt sich die Frage, wie viel stärker ist der Euroskeptizismus (der sich bspw. an den Wahlerfolgen eurokritischer Parteien zeigt) in den neuen Bundesländern ausgeprägt? Neben Deutschland wurde auch Schweden als ein Land in die Betrachtung aufgenommen, welches als klassisches „Geberland“ in der Wahrnehmung zahlreicher EU-Bürger verankert ist. Während der Eurokrise nahmen sowohl Portugal, als auch Griechenland die sogenannten „Euro-Rettungsschirme“ in Anspruch, doch während Griechenland Schlagzeilen wegen Protesten gegen die von der EU verordneten Sparmaßnahmen machte, blieb es zumindest in deutschsprachigen Medien sehr ruhig in Bezug auf Portugal. Außer den unterschiedlichen Gegebenheiten in der Finanzkrise deckt die Länderauswahl grob das Gebiet der EU (Stand 2000) von Norden nach Süden ab. 

 

Das Item zum Image der EU (Wortlaut siehe Anmerkungen unter den Grafiken) wurde im Jahr 2000 in den Standard-Eurobarometer aufgenommen. Der Analysezeitraum deckt mehrere einschneidende Ereignisse in der Entwicklung der EU ab. So wurde die Währungsunion im Jahr 2001 eingeführt, die Ost-Erweiterung erfolgte im Jahr 2004, die Weltwirtschaftskrise von 2007-2009, sowie die daran anschließende Eurokrise (etwa ab Ende 2009) und zu guter Letzt auch den Brexit (2016), der nicht spurlos an den andern Mitgliedsstaaten vorbei ging, werden eingeschlossen.

 

 

Tatsächlich scheinen all diese Ereignisse in den Entwicklungen der Anteile der Personen wiedergespiegelt, die ein positives Bild von der EU haben. Eine deutliche Mehrheit von 70,6% der Portugiese/innen assoziierte im Jahr 2000 ein positives Image mit der Europäischen Union. Damit stellten sie in dem Jahr die größte Gruppe, gefolgt von den Griechen (51,6%). Das Schlusslicht bildet Schweden mit lediglich 27,3%. 

 

Im Nachgang der Einführung des Euros als gemeinsame Währung scheint zunächst eine zunehmende Tendenz erkennbar zu sein,  Im Jahr 2004 macht sich in Deutschland (Ost und West) ein deutlicher Abfall von Personen mit positivem EU-Image deutlich, auch Schweden verliert leicht und stellt immer noch den geringsten Anteil. Eine mögliche Erklärung könnte die bereits erwähnte Ost-Erweiterung und damit einhergehende ökonomische Bedenken bieten. 

 

Ab 2008 ist in sämtlichen Ländern ein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen, der seinen Tiefpunkt im Jahr 2013 erreicht. Lediglich 16,7% der griechischen Bevölkerung verbanden zum damaligen Zeitpunkt ein positives Bild mit der Europäischen Union. Auch dies korrespondiert mit der bereits erwähnten Wirtschafts- und Eurokrise.   

 

Auch im Jahr 2016 fallen alle Länder, bis auf Portugal, um einige Prozentpunkte. Portugal setzt den Aufwärtstrend 2017 fort und weist mit 54,4% erneut den größten Anteil an Personen mit positivem Image auf. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch der Unterschied von rund 10% zwischen Ost- und Westdeutschland (34,2% und 48,3%). Griechenland liegt mit 18,8% weit unter den anderen Ländern in der Analyse.

 

 

Die Entwicklung der Personenanteile, die eine EU-Mitgliedschaft ihres Landes als vorteilhaft für dieses ansehen ähnelt der, des positiven Images. Dies lässt darauf schließen, dass das Image der EU stark von der wahrgenommenen „Nützlichkeit“ der Mitgliedschaft abhängen könnte. Im Jahr 2000 gingen rund 86% der Portugiesen/innen und Griechen/innen davon aus, dass ihr Land Vorteile durch eine EU-Mitgliedschaft erlangt. Deutschland Ost und West divergieren deutlich voneinander. Insgesamt nähren sich die Werte im Laufe der Jahre jedoch aneinander an. Ab 2015 ist in sämtlichen Ländern wieder ein Aufwärtstrend zu erkennen. Tatsächlich geben 86,6% der Westdeutschen und 75,1% der Ostdeutschen an, dass Deutschland von einer Mitgliedschaft in der EU profitiert. 

 

Bei der Betrachtung der Verlaufskurve werden zwei Entwicklungen deutlich: zum einen, dass sowohl  bei  den  Personen  mit  hoher  Bildung  als  auch  bei  Personen  mit  niedriger  Bildung  die Tendenz  eindeutig  die  Dealignment-These  stützt. In beiden Teilgruppen ist der Anteil  an Befragten mit einer Parteineigung im Trend rückläufig. Zum anderen wird deutlich, dass dieser Trend nicht in beiden  Teilgruppen identisch verlaufen ist: einige  Jahre  nach  der Wende hat sich zwischen den beiden Teilgruppen eine Kluft gebildet, sodass die PID bei höher gebildeten Personen  um 5% stärker ausgeprägt ist als bei Personen mit niedriger Bildung. Dieser Unterschied lässt sich auf den ersten Blick nicht durch eine zunehmende Entfremdung einer der beiden Teilgruppen erklären, sondern vielmehr damit, dass  während der rot-grünen Regierungszeit von 1998 bis 2005 mehr Personen mit hoher Bildung eine  Parteineigung aufweisen als dies zuvor der Fall war. Auf den zweiten Blick wirft diese Entwicklung dennoch die Frage auf, wieso es der Politik anscheinend gelang Personen mit hoher Bildung an eine  Partei  zu  binden,  allerdings  nicht  Personen  mit  niedriger  Bildung.  Eine  abschließende Bewertung dieser Fragestellung liefern die vorliegenden Daten nicht, jedoch kann vermutet werden, dass die durch den gesellschaftlichen Wandel gesteigerte Komplexität des politischen Systems es Personen mit niedriger Bildung schwerer macht, sich mit den Themen und Prozessen des politischen Systems zu beschäftigen und diese daher weniger bereit sind, sich mit Politik zu beschäftigen.

Fazit

Das Image und die wahrgenommenen Vorteile durch die EU scheinen stark von den äußeren wirtschaftlichen Gegebenheiten abzuhängen. Insgesamt scheint die Wahrnehmung der „Nützlichkeit“ der EU weniger von Schwankungen betroffen zu sein, also eine robustere Einstellung darstellt als das Bild, welches Bürger von der Europäischen Union haben.  Auch die Annahme, dass Menschen im Osten der Bundesrepublik euroskeptischer sind als im Westen scheint sich im Hinblick auf Image und die wahrgenommenen Vorteile durch die EU vorerst zu bestätigen. 

Autorin: Patricia Braun  Syntax: https://osf.io/9r8nj/

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